Wie man mentalen Stress lindert

Philosophische Praxis Benjamin Dittrich

Wir alle befinden es uns hin und wieder in Situationen, in denen es uns schwer fällt, unsere Gedanken zu beruhigen. Wenn wir emotional aufgewühlt oder voller Sorge sind und einen kühlen Kopf am nötigsten hätten, fällt es uns in der Regel am schwersten, die Kontrolle über unseren Verstand zurück zu gewinnen und "cool" zu bleiben.

 

Um zu verstehen, wie es dazu kommt, dass unsere Gedanken aufgewühlt sind, müssen wir verstehen, wie unser Geist funktioniert.

 

Der Mechanismus, durch den wir die Welt primär wahrnehmen, sind unsere fünf Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken). Unsere Sinne senden unserem Gehirn pausenlos unverarbeitete Informationen darüber, was um uns herum geschieht.

 

Und jedes Mal, wenn unsere Sinne durch äußere Reize stimuliert werden, versucht unser Gehirn die Signale, die es von den Sinnen erhält, zu interpretieren und auf angemessene Weise auf sie zu reagieren. Mit anderen Worten: Jede Stimulation erzeugt einen Gedanken, entweder bewusst oder unbewusst.

 

In der heutigen Zeit kann man grob vier Hauptursachen für mentalen Stress benennen:

  1. zu viele Verpflichtungen
  2. ständige Hintergrundgeräusche
  3. schmerzhafte Erinnerungen
  4. Sorgen

 

Sich von zu vielen Verpflichtungen und ständigen Hintergrundgeräuschen zu befreien, ist innerhalb kurzer Zeit möglich. Um schmerzhafte Erinnerungen und Sorgen zu überwinden, braucht es jedoch Zeit und oft auch Unterstützung.

Zu viele Verpflichtungen

Philosophische Praxis Benjamin Dittrich

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass die Hauptgründe für ihr geistiges Aufgewühltsein in ihrem Alltagsleben zu finden sind. Sobald wir uns aber dieser Gründe bewusst sind, können wir etwas gegen sie unternehmen.

 

Der erste Schritt, zu dem wir raten, ist in der Regel, seinen Fuß vom inneren Gaspedal zu nehmen und zu entschleunigen.

 

Einige von uns haben schlichtweg zu viele Verpflichtungen in ihrem Alltag. Jeder wache Moment des Tages ist mit Aktivitäten gefüllt und kaum eine Minute dient der Ruhe. Natürlich wollen alle Menschen produktiv sein, denn das gibt uns das Gefühl, etwas zu erreichen und "nützlich" zu sein.

 

Wenn man in zu viele Aktivitäten verstrickt ist, ergibt sich jedoch das Problem, dass diese Aktivitäten unseren Geist so sehr beschäftigen können, dass es uns immer schwerer fällt, ihn abzuschalten. Und wer je erlebt hat, wie es sich anfühlt, geistig unter Dauerstress zu stehen, der weiß, dass es immer mehr Kraft kostet, klar zu denken und richtige Entscheidungen zu treffen.

Kurz: Zu viele Verpflichtungen mindern unsere Effektivität und Produktivität.

 

Um sich von zu vielen Verpflichtungen zu befreien, sollten Sie die am wenigsten wichtigen Aktivitäten, die in Ihrem Alltag anfallen, aufgeben, um mehr Zeit für sich, Ihre Familie und Ihre Entspannung zu haben.

 

Bei vielen Aktivitäten ist es natürlich nicht kurzfristig möglich (oder geraten), sie aufzugeben. Wir können meist nicht einfach unseren unbefriedigenden Job hinwerfen oder unsere Familie verlassen, wenn sie uns nicht mehr glücklich macht. Wir können uns aber immer bewusster darüber werden, was wir wirklich wollen und was wir brauchen, um glücklich zu sein.

 

Durch dieses Bewusstsein erkennen wir die wirklichen Quellen für unser Glück und können darauf hinarbeiten, sie besser in unser Leben zu integrieren.

Ständige Hintergrundgeräusche

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Ständige Hintergrundgeräusche sind ein weiterer Hauptgrund für mentalen Stress.

 

Ob es das Einschalten des Autoradios auf dem Heimweg ist oder der im Hintergrund laufende Fernseher, während wir mit etwas anderem beschäftigt sind - Häufig  versuchen wir unbewusst, uns von den Gedanken und Sorgen, die uns z.B. bei der Arbeit beschäftigt haben abzulenken und unsere Aufmerksamkeit auf andere, angenehmere Themen zu lenken, von denen wir uns Entspannung erhoffen.

 

Hintergrundgeräusche erwecken tatsächlich den Eindruck, dass sie uns dabei helfen, uns zu konzentrieren. In Wirklichkeit lenken sie uns jedoch lediglich von den unangenehmen Gedanken ab, die gewisse Tätigkeiten sonst mit sich bringen würden, während sie für unseren Geist durch die dauernde Stimulation eine weitere Quelle für Stress und Unruhe darstellen.

 

Das Problem sind nicht das Radiohören oder Fernsehen an sich, sondern dass wir uns nicht wirklich auf die neuen Informationen konzentrieren, die uns umgeben. Als Hintergrund-Geplapper führen sie dazu, dass wir noch unentspannter werden und zur Beruhigung schließlich weiterer Hilfsmitteln bedürfen, wie z.B. Alkohol.

Achtsames Atmen

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Jeder Mensch kann durch das Praktizieren von Achtsamkeit in kurzer Zeit lernen, einen klareren und ruhigeren Geist zu entwickeln, ganz gleich, wie angespannt er zu Beginn sein mag. Jede Tätigkeit, jeder Augenblick bietet uns durch Achtsamkeit die Gelegenheit, den Fuß vom inneren Gaspedal zu nehmen und zu entschleunigen.

 

Ein guter Einstieg in Achtsamkeits-Meditation und ein einfaches Hilfsmittel, um seinen Geist davor zu bewahren, außer Kontrolle zu geraten, ist achtsames Atmen. Übungen in achtsamem Atmen sind sehr einfach, benötigen kaum Zeit und stoppen dennoch das fortwährende Beschleunigen der Gedanken. Auf diese Weise ermöglichen sie uns auch die nötige innere Ruhe für klare, gute Entscheidungen.

 

Alles was wir zu tun brauchen, ist hin und wieder innezuhalten und drei bis fünf achtsame Atemzüge zu machen. Es ist nicht einmal nötig, sich besonders auf das Atmen zu konzentrieren, sondern nur, sich bewusst dazu zu entscheiden und seinen Atem wahrzunehmen.

Achtsames Gehen

Auch achtsames Gehen ist sehr einfach. Die meisten Menschen legen im Laufe eines Tages viele kurze Strecken zurück: zur Arbeit, nach Hause, Einkaufen oder zum Auto. All diese Wege sind wunderbare Gelegenheiten, achtsames Gehen zu üben, statt gedankenverloren von einem Ort zum nächsten zu eilen, während wir mit unserem Geist noch an dem einen Ort sind oder bereits bei dem nächsten.

 

Während wir achtsames Gehen üben, laufen wir für gewöhnlich etwas langsamer als normal. Wir haben aber nichts weiter zu tun, als im Hier und Jetzt zu sein und unsere Schritte bewusst wahrzunehmen. Unser Körper ist es so gewohnt, sich schneller zu bewegen, dass es sehr kraftvoll sein kann und uns zu ständiger Präsenz zwingt, wenn wir versuchen, auch nur ein wenig langsamer als üblich zu gehen.

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Flickr, Devin Young

Es ist möglich, selbst etwas gegen mentalen Stress zu tun und Grübel-Zwänge, Sorgen und andere negative Gedanken zu überwinden. Alles, was es braucht, ist die Entscheidung, die Verhaltensweisen zu beenden, die den Stress verursacht haben und neue, entspannende Tätigkeiten in unser Leben zu integrieren.

 

Um aus entspannenden oder kraft-spendenden Aktivitäten Gewohnheit werden zu lassen, bedarf es zwischen 6 und 12 Wochen regelmäßiger Übung.

 

Einzel- und Paartraining in Achtsamkeitsbasierter Stressreduktion ebenso wie Unterstützung bei der Überwindung schmerzhafter Erinnerungen und hartnäckiger negativer Gedanken finden sie auf den Seiten unserer Philosophischen Praxis.


Bildnachweise:

 

Flickr, Sodanie Chear, Stressed

Flickr, Martin Thomas, Grubby volume knob

Flickr, hilectric, breathe

Flickr, Devin Young, If the silence takes you, then I hope it takes me, too